Ultr‘asozial

Die Napoletaner arbeiten weiter an ihrem schlechten Ruf. Wie die Repubblica berichtet, kaperten am vergangenen Wochenende hunderte SSC „Ultras“ einen regulären IC am Hauptbahnhof in Neapel, und zwangen die 300 „normalen“ Zugpassagiere mit Gewalt, den Zug zu verlassen. Während der anschließenden Fahrt in Richtung Rom wurde dann der Zug vollends demoliert, Ergebnis: 500.000€ Sachschaden. Als die Napoletani in der Stazione Termini ankamen, war die Partie gegen Roma schon in vollem Gange. Die italienische Polizei versuchte, die „Tifosi“ nicht in die Stadt zu lassen, was misslang. Mit (selbstgemachten) Böllern und anderem krawalligen Rambazamba prügelten sich Napoli unter dem Motto „Noi Napoletani facciamo il cazzo che vogliamo“ (z. dt. etwa „Wir Napoletaner machen was zur Hölle wir wollen“) den Weg in Richtung Stadion (bzw. in den Bus, der sie zum Stadion bringen sollte). Das ganze mag ja ein fulminanter Hooligan-Spaß gewesen sein, aber wenn das die Zukunft des „Ultra“ sein soll, dann gute Nacht. Mit dieser „Orgie der Gewalt“ haben die SSC „Ultras“ der italienischen Tifoseria in jedem Falle einen Bärendienst erwiesen, die entsprechende Reiseverbote für Anhänger aller Clubs sind schon so gut wie sicher. Die italienische Eisenbahn hat jetzt zudem angekündigt, künftig überhaupt keine Sonderzüge zu Fußballspielen anzubieten.

Die Umstände sind für deutsche Umstände auch wirklich unvorstellbar, nicht nur von „Ultra“-Seite. So weigerte sich der zuständige Kommandant in Neapel, seine Beamten den Befehl zu geben, den Hooltra-Zug zu stürmen. Das sei doch „unnötig“. Statt dessen schickten man den voll „besetzten“ Zug in Richtung Rom, mit den oben beschrieben Konsequenzen. Vor der Rückreise „rächte“ sich dann die unfähige italienische Polizei nochmal an den Napoli Ultras, wie das folgende Video zeigt (ab 4:19):

Rivalität hin oder her: Fußball ist kein Krieg, und das ist auch gut so. Und wer ihn zu einem gewalttätigen Konflikt zwischen kriminellen Banden und der Polizei verkommen lässt, wie Teile(?) der italienischen Ultra-Szene, darf sich nicht wundern, wenn der Staat irgendwann mit aller Macht zurückschlägt. Irgendwo hat auch unsere Solidarität ein Ende:
Naja. Freiheit für die Ultra? Sicher! Aber nicht für kriminelle Dullies, die es geil finden, Mitpassagiere zu verprügeln, Züge demolieren und sich gern auch mal als Hilfstruppen der Mafia betätigen, um ihre eigene „Härte“ zu demonstrieren.

*Photos u.a. beim Corriere della Sera

*Bei SpOn gibt es auch ein kurzes Video, aber ziemlich schlecht recherchiert. Wer nicht einmal den römischen vom napoletanischen Hauptbahnhof unterscheiden kann, sollte auch keine Krawall-Bilder betexten.

PS: Das Spiel ging übrigens 1:1 aus. Und das ganze drumherum war eigentlich alles nur wie jedes Jahr.

PPS: Die italienische Polizei behauptet nun, die Mafia sei „Drahtzieher der Fan-Randale“. Konkrete Belege bleibt sie aber schuldig.


11 Antworten auf “Ultr‘asozial”


  1. 1 moloKU-plus 05. September 2008 um 6:22 Uhr

    Hier ein Interview mit dem Ballesterer fm-Chefredakteur, der die Geschehnisse „ein bisschen“ anders darstellt:

    http://derstandard.at/?url=/?id=1220457342474

  2. 2 Hallasvögel 05. September 2008 um 13:10 Uhr

    Klingt so, als wär‘ dieser Chefredakteur auf einer anderen Fahrt gewesen. Die Photos sprechen da eine etwas andere Sprache… Auch wenn die italienische Presse extrem einseitig berichtet – Unschuldslämmer sind die Napoletaner wahrlich nie gewesen.

  3. 3 pampam 07. September 2008 um 8:25 Uhr

    Egal, wer oder was da jetzt die größere Schuld hat, ob die Bullen, die Ultrà oder die Medien vällig übertrieben haben, das wird alles auch in D Konsequenzen haben. Damit präventiv „italienische Zustände“ verhindert werden können. Scheiße…

  4. 4 magonza 08. September 2008 um 0:23 Uhr

    die zukunft von ultra?ich hoffe doch!!!!
    als sähen die gegenwart und zukunft von ultra anders aus.ultra sein heisst verbrecher sein,oder?meine lieben hallas-freunde:dann lest mal lieber weiter elf freunde und hört blumentopf!

  5. 5 Hallasvögel 08. September 2008 um 9:34 Uhr

    yo, Mango – und so sieht also die von dir favorisierte coole Vebrecher-“Zukunft und Gegenwart“ aus: Business machen, und sich nebenbei aus Spaß Boxereien auf irgendwelchen Parkplätzen liefern…

    Die um sich greifende „Hooltra“-Tendenz in Deutschland hat immer weniger mehr mit Fußball oder der ursprünglichen Ultrá-Idee zu tun, sondern ist einfach eine neue Spielart des(post)pubertären Hahnenkampfs und Geltungssucht. Dabei waren die Vorgänger Rocker und Hools wenigsten ehrlich: Wenn ich mich wie ein ultra-krasser Gangster benehme, rechne ich auch damit wie einer behandelt zu werden. Und so wird das (gerne auch zu rechten Randale-Songs angestimmte) Fußball-Fans sind keine Verbecher“ einfach nur Heuchelei.

  6. 6 pampam 08. September 2008 um 12:46 Uhr

    Ich kann deine Meinung verstehen Hallsvogel, aber ist „Hooltra“ nicht ein von Nazi-Hools für sich selbst eingeführter Begriff ähnlich „Hoonara“? Ich meine schon…

  7. 7 dorfdisco knows best 09. September 2008 um 17:02 Uhr

    „Mit dieser “Orgie der Gewalt” haben die SSC “Ultras” der italienischen Tifoseria in jedem Falle einen Bärendienst erwiesen, die entsprechende Reiseverbote für Anhänger aller Clubs sind schon so gut wie sicher.“

    Hallas go Sitzplatz? :-?

  8. 8 Hallasvögel 10. September 2008 um 9:49 Uhr

    Reiseverbote=Stadionverbote

  1. 1 In jedem Hool steckt ein kleines Kind « Mutti wohnt in Münster Pingback am 04. September 2008 um 15:31 Uhr
  2. 2 Gewalttätigkeiten « Rotorwinken Pingback am 10. September 2008 um 15:37 Uhr
  3. 3 Orwellismo im italienischen Fußball « Brigata Amaranta Venticinque Aprile Pingback am 19. September 2008 um 22:36 Uhr
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