Archiv für Februar 2009

All Clowns Are Beautiful!

qhofWie spassbefreit und intolerant die Kölner Polizei auch an Karneval auftritt, musste jetzt die alternative Kneipe „Qhof“ am Rosenmontag feststellen, wie KMII auf Indymedia berichtet:

Brutaler Polizeiübergriff gegen „Kein Mensch ist illegal-Party“ in Köln.
In der linken Kneipe „Q-Hof“, wo seit Jahren die antirassistische Initiative „kein mensch ist illegal“ fröhlich und friedlich Karneval feiert, kam es am Sonntag und Rosenmontag zu völlig unverhältnismäßigen Festnahmen und Gewalt von Seiten der Polizei und Mitarbeitern des Ordnungsamts.

Auch die taz schildert die Polizei in vollen Einsatz gegen subversives Singen und Schunkeln:

Am nächsten Abend, dem des Rosenmontags, ging die Polizei wieder gegen die Szenekneipe Q-Hof vor. Eine Hundertschaft behelmter Polizisten postierte sich gegen 1 Uhr vor der Karnevalskneipe. Die Beamten verlangten die Herausgabe der Musikanlage, andernfalls werde der vollbesetzte Raum gestürmt.

Für Cops ist halt immer Aschermittwoch…

Der Letzte macht das Licht aus!

Fußball ist nicht mehr das, was er einmal war. Für diese Binsenweisheit muß man nicht Ultrà oder Supporter sein, auch der normale Fan aus Kleinkleckersdorf wird inzwischen bemerkt haben wohin die Fahrt geht. Für viele reicht dazu schon eine zufällige Begegnung mit dem „Freund und Helfer“. Einen neuen Höhepunkt in der langen Kette von „normalen“ Polizeiübergriffen hat es am Wochenende in Emden gegeben. So berichtet die BAVA aus Berlin (unter Bezug auf Fansmedia) wie die Coppers aus dem beschaulichen Oldenburg mal alle Hemmung fallen lassen und ihren Ressentiments gegenüber linken wahllos auf die wartenden Fans und Vorstand aus Jena einschlagen. Der Vorwand für den wilden Prügeleinsatz nach dem Spiel – ein Stinkefinger zu Halbzeitpause. Anschauen kann man sich das hier und (noch) bei Youtube:

Nicht nur uns beschleicht ja schon seit langem das Gefühl, dass eigentlich alberne Dinge wie Verhältnismäßigkeit, Rechtsstaatlichkeit und eine politisch unabhängige Polizei von staatlicher Seite ad acta gelegt wurden… Oder doch nicht? Rainer Wendt (Chef der reaktionären DPolG) hatte uns doch erst vor wenigen Tagen noch erklärt – quasi in einem Atemzug mit den fliegenden Bullenknüppeln in Emden – dass es ja nie zu (erfolgreichen) Anzeigen gegen Polizisten kommt und etwaige Übergriffe somit nur Einzelfälle seien können. Und die Beamten seien auch ja jederzeit identifizierbar! Eine Erfahrung die das polizeiliche Gegenüber wohl eher selten macht. Noch mehr entlarvende Zitate hat unser Freund von noisereduction aufgetrieben.

Alles ist das aber noch nicht! Wer einen Blick über den Kanal wirft, sieht, wie weit die Normierung des Fußballkonsumenten gehen kann: Dort entscheiden Clubmanager schon mittlerweile für Ihre „Kunden“, dass diese sich beim „Erlebnis Fußball“ gefälligst leise zu verhalten haben und vor allem das Jubeln Aufstehen unterlassen. Der Fall ging inzwischen durch die Sport- und Boulevardpresse und so rudert man bei Boro offiziell zurück, ohne wirklich etwas zu wollen, wie der „Entschuldigungs“brief an die Fans zeigt.
Was für eine tiefe Angst vor einer aktiven Fanszene generell in Großbritannien herrscht, illustriert die Geschichte der „Red Ultras Aberdeen“. Deren einzige Aktion – das Aufhänger ihrer gleichnamigen Fahne im eigenen Stadion – reichte vor einigen Wochen schon aus, dass der Daily Mirror (die britische BILD) eben jene Ultras in eine Reihe mit Mördern und Rassisten stellt, wie altravista in seinem Blog schildert.

Als Fußballfan bleibt da nur die Wahl, wie die Kapelle auf der Titanic bis zum Untergang spielen oder Politik gegen diese Widerwärtigkeiten machen sich aus dem Staub zu machen und eine neue Freizeitbeschäftigung suchen. Da aber in unserem Dorf beim Fußball alles noch recht beschaulich ist und man dort (neben Bier und Bratwurst) auch einen herzhaften Kick und eine nette Supporter-Szene begutachten darf, wird die Flinte noch nicht ins Korn geworfen. Außerdem gibt es ja noch Parties mit netten Freunden aus dem nahen Verona. Mit denen machen wir bald Weltrevolution!

Bis dahin geht der Abwehrkampf aber noch weiter, oder wie das immer so pathetisch heißt. Der ein oder andere mag dabei dabei ja auch noch einen anderen englischen Gassenhauer auf den Lippen haben…

Majestätsbeleidigung beim Fußball

Judenfeindliche Sprüche wollen wir weder hören noch sehen. Auch nicht in Fußballstadien. Es geht nicht, dass solch rassistische Äußerungen bundesweit über die Fernsehbildschirme übertragen werden. Dass Vereine zunehmend mehr überprüfen, was Fußballfans so auf ihre Plakate schreiben, ist grundsätzlich also gut. Nur seit diesem Saisonstart ufert die Kontrolle irgendwie ein bisschen aus. Liebe Vereine, jetzt haltet mal den Ball flach. Wenn sich Fans plakativ über mächtige Mäzene mächtiger Vereine beschweren wollen, ist das immer noch freie Meinungsäußerung – kein Rassismus. Sebastian Bellwinkel über übertriebene Kontrolle von Fußballvereinen.

ZAPP: Eingeschränkte Meinungsfreiheit – Fußballvereine kontrollieren Fan-Transparente

Echte Fründe…

Nach Gehwegplatte und AKA outen sich hiermit auch die Hallasvögel als klammheimliche Sympathisanten von progressiven nationalen Befreiungsbewegungen, besonders wenn sie aus Irland kommen. Passend zu Karnevalsbeginn haben wir dazu ein schönes Lied aus den guten alten Zeiten gefunden: On the one road, im Original von The Wolfe Tones, hier für unsere Zielgruppe in der Fußball-affinen Versionen von Charlie and the Bhoys.

PS: Wer sich trotz der tollen Tage etwas ernsthafter mit der Thematik auseinandersetzen will, dem sei die die englischsprachige Dokumentation „Provos. The IRA and Sinn Fein“ (Deutscher Titel „Die Soldaten der IRA“) von Peter Taylor empfohlen, der die Entwicklung der „Troubles“ von den 70ern bis zum Friedensprozess präzise darstellt. Ein Interview zu der Serie auf deutsch ist bei Arte zu finden.

Auf die Fresse…

Schmalzsänger Tiziano Ferro (deutlich aufgedunsen) trifft in der Lotto-Show des italienischen Staatsfernsehen RAI auf die Schauspielerin Manuela Arcuri. Beide stammen aus dem (übrigens unglaublich hässlichen) Städtchen Latina. Ferro spielt mit der Moderatorin eine launigen Witz durch: Was gibt es denn alles schönes in Latina? – Schöne Frauen und Mozarella? – Darf ich dir das mal erklären… Und schon grabscht Ferro der Arcuri in den Ausschnitt. Im italienischen Staatsfernsehen scheinbar ein Riesenlacher!

Das es auch anders geht muss „Morning-Hans“ Blomberg von irgendeinem „Hitradio“ feststellen. Er soll beim Bundesvision Song Contest 2009 eigentlich nur die Punkte für Baden-Württemberg bekannt geben. Offenbar inspiriert von der Ferro-Geschichte meint er aber, seiner Co-Moderatorin Susanka Bersin noch ein „lustiges“ Kompliment machen zu müssen. Susanka reagiert prompt und verpasst dem Radio-Hansl eine entsprechende Ohrfeige.

Above the law…

Die bayrische Polizei kann auch weiterhin, ungehemmt durch Nummerierung oder Namensschilder, auf Demos und beim Fußball auf jedermann einschlagen. Die Staatsanwaltschaft beklagt in der SZ zwar, die Beamten des USK hätten bei einem Einsatz gegen Fans von 1860 München im Jahr 2007 wiedereinmal

„in unverhältnismäßiger Weise und ohne rechtfertigenden Grund mittels Schlagstöcken auf unbeteiligte Besucher, zum Teil Kinder und Frauen“

eingeschlagen. Dabei ist es bis heute nicht gelungen, auch nur einen der oben beschriebenen Berufsschläger dingfest zu machen. Wie bei anderen Riot-Einheiten der deutschen Polizei, so machen auch bei der USK eine einheitliche Uniform und Vermummung die „Individualisierung einzelner Beamter“ quasi unmöglich, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Wegen solcher Kinkerlitzchen will der zuständige Kreisverwaltungsreferat aber keine Konsequenzen ziehen, das Tragen von Namensschildern für die Polizisten sei „diskriminierend“, weil auf der anderen Seite“ – im vorliegenden Fall also bei den unbeteiligten Besuchern, Frauen und Kindern – auch keine Namensschilder vorhanden seien.

Mehr zu dem Fall gibt es in der Münchener Lokalausgabe der Süddeutschen Zeitung von heute.




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